Primärenergiebedarf einfach erklärt
Der Primärenergiebedarf ist die Energiemenge, die ein Gebäude rechnerisch für Heizung, Warmwasser und Lüftung benötigt, zuzüglich der Energie, die für Gewinnung, Umwandlung und Transport des jeweiligen Energieträgers aufgewendet wird. Er wird in Kilowattstunden pro Quadratmeter Gebäudenutzfläche und Jahr angegeben (kWh/(m²·a)) und ist der zentrale Kennwert im Bedarfsausweis.
Primärenergiebedarf im Energieausweis
Im Bedarfsausweis erscheint der Primärenergiebedarf auf Seite 2 des Dokuments, im farbigen Bandtacho gemeinsam mit dem Endenergiebedarf. Er beschreibt nicht nur, wie viel Energie das Gebäude selbst benötigt, sondern auch, wie aufwendig die vorgelagerte Kette bis zur Nutzenergie ist: Öl und Gas müssen gefördert, transportiert und aufbereitet werden, Strom wird zusätzlich mit Übertragungsverlusten belastet.
Berechnet wird er aus zwei Werten: dem Endenergiebedarf des Gebäudes und dem Primärenergiefaktor des eingesetzten Energieträgers. Ein Verbrauchsausweis weist stattdessen den Primärenergieverbrauch aus, abgeleitet aus den tatsächlichen Verbrauchsdaten der letzten drei Jahre. Wer prüfen möchte, welcher Ausweistyp für das eigene Gebäude überhaupt infrage kommt, findet die Kriterien in der Entscheidungshilfe Bedarfs- oder Verbrauchsausweis.
Rechenbeispiel
Die Formel ist einfach: Endenergiebedarf × Primärenergiefaktor = Primärenergiebedarf. Zwei vereinfachte Beispiele zeigen, wie stark der Energieträger das Ergebnis beeinflusst:
- Ein Gebäude mit Gasheizung hat einen Endenergiebedarf von 120 kWh/(m²·a). Der Primärenergiefaktor für Erdgas liegt bei 1,1. Ergebnis: 120 × 1,1 = 132 kWh/(m²·a) Primärenergiebedarf.
- Dasselbe Gebäude mit einer Wärmepumpe hat wegen der höheren Effizienz nur einen Endenergiebedarf (Strom) von 40 kWh/(m²·a). Der Primärenergiefaktor für Netzstrom liegt bei 1,8. Ergebnis: 40 × 1,8 = 72 kWh/(m²·a) Primärenergiebedarf.
Das Beispiel zeigt, warum zwei Gebäude mit ähnlichem Wärmebedarf im Primärenergiebedarf trotzdem weit auseinanderliegen können: Der Energieträger zählt mit.
Was das für Eigentümer bedeutet
Für die Energieeffizienzklasse (A+ bis H) ist bei Wohngebäuden der Endenergiewert maßgeblich, nicht der Primärenergiebedarf. Trotzdem steht Letzterer mit im Ausweis, weil er zusätzlich zeigt, wie klimafreundlich die gewählte Energieversorgung insgesamt ist, unabhängig von der reinen Gebäudedämmung. Bei einem geplanten Verkauf oder einer Vermietung lohnt sich deshalb ein Blick auf beide Werte: Der Endenergiewert sagt etwas über die Bausubstanz, der Primärenergiebedarf zusätzlich etwas über die Heiztechnik.
Den Bedarfsausweis mit beiden Kennwerten können Sie online in Auftrag geben, den Ablauf beschreibt die Seite Bedarfsausweis online erstellen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Primärenergiebedarf und Endenergiebedarf?
Der Endenergiebedarf ist die Energie, die am Gebäude ankommt, etwa als Gas oder Strom. Der Primärenergiebedarf rechnet zusätzlich die Energie für Gewinnung und Transport dieses Energieträgers ein und ist deshalb meist höher.
Wo steht der Primärenergiebedarf im Energieausweis?
Im Bedarfsausweis auf Seite 2, im farbigen Bandtacho gemeinsam mit dem Endenergiebedarf. Verbrauchsausweise nennen an entsprechender Stelle (Seite 3) den Primärenergieverbrauch.
Warum ist der Primärenergiebedarf bei Wärmepumpen oft niedriger als bei Gasheizungen?
Weil eine Wärmepumpe für dieselbe Wärmemenge deutlich weniger Endenergie benötigt. Auch wenn der Primärenergiefaktor von Strom höher liegt als der von Erdgas, überwiegt meist der Effizienzvorteil der Wärmepumpe.