Energieeffizienzklasse G: sanierungsbedürftig, was jetzt zählt
Energieeffizienzklasse G liegt bei Wohngebäuden zwischen 200 und unter 250 kWh/(m²·a) (Anlage 10 zu § 86 GModG, bis 2026: GEG; Stand: August 2026). Damit gehört ein Gebäude in Klasse G zu den energetisch schwächsten am Markt, ohne bereits die niedrigste Stufe H zu erreichen.
Wo steht die Klasse im Energieausweis?
Auf der ersten Seite des Energieausweises zeigt der Bandtacho Klasse G im roten Bereich der neunstufigen Skala, nur eine Stufe vor H. Der genaue kWh-Wert daneben zeigt, wie weit ein Gebäude tatsächlich von der besseren Klasse F entfernt liegt, ein relevanter Unterschied für die Einschätzung des Sanierungsaufwands. Die Rechenwege hinter der Zahl beschreibt die Seite Baujahr, Berechnung und Effizienzklassen. Die komplette Skala mit allen Grenzwerten enthält die Übersicht der Energieeffizienzklassen.
Welche Gebäude landen typisch in Klasse G
Klasse G betrifft überwiegend unsanierte Gebäude aus der Nachkriegszeit, etwa aus den Baujahren 1949 bis 1957, und den Jahrzehnten davor, ohne relevante energetische Modernisierung an Fassade, Dach oder Heizung. Nach der Baualtersklassen-Systematik des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) gehört ein großer Teil des unsanierten Bestands vor der ersten Wärmeschutzverordnung 1977 in diesen Bereich, insbesondere Gebäude, bei denen seit dem Bau keine oder nur kosmetische Renovierungen stattgefunden haben: eine unsanierte Vollziegelfassade, einfachverglaste oder frühe Isolierglasfenster und eine alte Heizungsanlage sind typisch. Auch größere Mehrfamilienhäuser dieser Bauepoche ohne koordinierte Sanierung erreichen häufig Klasse G, hier wirkt sich zusätzlich die oft komplexere Eigentümerstruktur aus, die energetische Maßnahmen in der Vergangenheit häufig verzögert hat.
Klasse G beim Kauf oder bei der Miete
Eine Analyse von ImmoScout24 zeigt eine deutliche Kluft: Eigentumswohnungen der Klassen G und H verloren zwischen Anfang 2021 und Ende 2025 deutschlandweit jeweils rund 12 Prozent an Wert, während Wohnungen der besten Klasse A im selben Zeitraum rund 13 Prozent gewannen, eine Schere von 25 Prozentpunkten (Quelle: Scout24-Pressemitteilung, Stand: Anfang 2026). Wer gezielt nach einem Haus der Klasse G sucht, trifft damit häufig eine bewusste Investitionsentscheidung: ein günstigerer Kaufpreis gegenüber vergleichbaren, besser eingestuften Objekten, verbunden mit der Aussicht auf eine spätere Wertsteigerung durch Sanierung. Das kann rechnerisch aufgehen, setzt aber eine realistische Kalkulation der Sanierungskosten voraus, bevor der Kaufpreis verhandelt wird, eine reine Bauchgefühl-Schätzung reicht dafür nicht. Bei der Vermietung ist die Klasse Pflichtangabe im Exposé, ein niedriger energetischer Standard wirkt sich bei steigenden Energiepreisen zunehmend auf die Vermietbarkeit aus.
Von G zu einer besseren Klasse
Bei Klasse G lohnt sich meist keine einzelne Maßnahme allein, sondern eine koordinierte Sanierung in sinnvoller Reihenfolge, weil die Schwachstellen typischerweise mehrere Bauteile gleichzeitig betreffen. Realistische erste Schritte sind eine Dämmung der Fassade oder zumindest des Dachs sowie ein Austausch der Heizungsanlage, in Kombination ist damit häufig ein Sprung über mehrere Klassenstufen möglich, wie weit genau, hängt vom Ausgangszustand ab und lässt sich nur am konkreten Gebäude beziffern. In der öffentlichen Debatte wird im Zusammenhang mit schlecht eingestuften Gebäuden immer wieder über künftige Modernisierungsanreize oder -pflichten diskutiert, insbesondere im Kontext der EU-Gebäuderichtlinie. Eine allgemeine gesetzliche Sanierungspflicht allein aufgrund der Effizienzklasse besteht nach aktuellem Stand nicht, das Thema wird jedoch weiterdiskutiert. Was ein Energieausweis in diesem Zusammenhang mit einem individuellen Sanierungsfahrplan zu tun hat, und was nicht, erklärt die Seite Energieausweis und Sanierung.

Neuen Energieausweis erstellen
Bei kleineren Wohngebäuden mit Bauantrag vor dem 1. November 1977 ohne Nachrüstung auf WSchV-1977-Niveau ist ausschließlich ein Bedarfsausweis zulässig (§ 80 Absatz 3 GModG, Stand: August 2026), genau die Gebäudegruppe, die häufig in Klasse G landet. Den Ablauf beschreibt die Seite Bedarfsausweis online erstellen.
Häufige Fragen
Was bedeutet Energieeffizienzklasse G?
Ein Energiebedarf oder -verbrauch zwischen 200 und unter 250 kWh/(m²·a), eine Stufe über der schwächsten Klasse H.
Muss ich ein Haus der Klasse G sofort sanieren?
Eine allgemeine gesetzliche Pflicht allein wegen der Klasse besteht nach aktuellem Stand nicht (Stand: August 2026). Einzelne Modernisierungspflichten können sich aus anderen gesetzlichen Anlässen ergeben.
Lohnt sich der Kauf eines Hauses mit Klasse G?
Kann sich lohnen, wenn der Kaufpreis den energetischen Zustand widerspiegelt und die Sanierungskosten vorab realistisch kalkuliert werden. Eine reine Schätzung ohne Fachberatung reicht dafür nicht aus.
Wie viel Wertverlust hat Klasse G gegenüber besseren Klassen?
Eine Analyse von ImmoScout24 zeigt für die Klassen G und H jeweils einen Wertverlust von rund 12 Prozent zwischen 2021 und 2025, gegenüber einem Wertgewinn von rund 13 Prozent bei Klasse A.
Diese Seite bietet keine Rechtsberatung. Alle Angaben ohne Gewähr, maßgeblich ist der Gesetzestext. Stand: August 2026.